Im Berliner Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg besteht seit August 1995 die Interkulturelle Begegnungsstätte BAYOUMA-HAUS. Sie ist das Ergebnis mühevoller Arbeit unterschiedlicher Akteure, die sich nach der Wende für die Rechte der in der DDR lebenden Migranten und Migrantinnen aus ehemaligen Anwerbeländern wie Vietnam, Kuba, Mosambik, Angola sowie für die damals dort lebenden politischen Flüchtlinge eingesetzt haben.

Das BAYOUMA-HAUS hat sich im Laufe der Jahre zu einem interkulturellen Zentrum entwickelt, in dem mehrere Projekte integriert sind, die sich nicht nur in ihren Aktivitäten, sondern auch in ihren Zielgruppen unterscheiden. Sie bieten durch ihre Zusammenarbeit unter einem Dach ein Angebot, das sich an verschiedenen Bedürfnissen und Erwartungen orientiert. Das BAYOUMA-HAUS sieht sich als Anlaufstelle für die in Friedrichshain-Kreuzberg lebenden Migranten und Migrantinnen [95.345, (Stand 12/07), Quelle: Statistisches Landesamt]. Besucher des Hauses sind Menschen aus vielen Ländern Afrikas, Asiens, Amerikas sowie Europas.

Die Besonderheit des Hauses besteht nicht nur in der Arbeit der unterschiedlichen Projekte unter einem Dach, sondern auch in der Zusammensetzung des Personals. Ein multikulturelles Team erreicht mit unterschiedlichen Schwerpunkten Menschen aus mehr als 40 Ländern.

Die Angebote reichen u.a. von der Beratung und Betreuung zu sozial-rechtlichen und gesundheitlichen Angelegenheiten bis zu diversen Kursen, Fachvorträgen zu migrationspolitischen Themen, Freizeitangeboten sowie der Organisierung von zahlreichen interkulturellen Aktivitäten. Wir erreichen auf deisem Wege Jahr für Jahr über 10.000 Menschen.

Unser Credo - die Verbindung zwischen Sozialem, Gesundheit und interkultureller Begegnung – schafft Zugang zu ihnen, ermöglicht eine umfassende bedarfsgerechte Versorgung in ihrer Situation sowie die Reaktion auf ihre spezielle Problemlage.

Unter dem Dach des BAYOUMA-HAUSES widmen sich die genannten Projekte folgenden Schwerpunkten:
  • Beratung in rechtlichen, sozialen und gesundheitlichen Fragen
  • Bildungsangebote für verschiedene Zielgruppen (Werkstattangebote, frauenspezifische Angebote, Seminare, Fachvorträge usw.)
  • Interkulturelle Veranstaltungen in Kooperation mit Migrantenvereinen
  • Gesundheitsprävention und –förderung unter migrationspezifischen Aspekten über mehrsprachiges Infomaterial, Internetportal, Infostände, Übersetzungsdienste für diverse Ämter sowie physiotherapeutische Angebote
  • Initiierung und Begleitung von Selbsthilfegruppen
  • Nachbarschaftliche Freizeitangebote für verschiedene Zielgruppen: Sprachkurse, Tangokurs, Gymnastikkurs, Nähkurs usw.
  • Zusammenarbeit und Mitwirkung in vielen Netzwerken auf regionaler, Landes- sowie Bundesebene

Das Bayouma-Haus stellt aber auch über die Initiierung von Selbsthilfegruppen einen Rahmen für die Pflege eigener kultureller Identität dar, der für den Integrationsprozess von großer Bedeutung ist. Wir begleiten und fördern die Selbsthilfe und stellen dafür unsere Räumlichkeiten zur Verfügung.

Das Zentrum wird nicht nur als Beratungsstelle wahrgenommen sondern auch als Ort der Begegnung mit Landsleuten oder anderen Freunden. So treffen zum Beispiel beim vietnamesischen Tet-Fest oder anderen traditionellen Anlässen Menschen aus unterschiedlichsten Ländern Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und Europas zusammen.

Mit unserer Tätigkeit erhält die Integration auf den Gebieten Soziales, Gesundheit, Aufenthalt und Kultur einen weiteren Anschub. Großen Wert legt das Haus auf die aktive Förderung der Hilfe zur Selbsthilfe. Dadurch haben wir das Vertrauen und die Akzeptanz seitens unserer Beratungssuchenden gewonnen.

Durch die Zusammenfassung mehrerer Projekte ist eine Bündelung der Ressourcen erzielt worden (Zusammenfassung der Verwaltung, hohe Auslastung der Büro- und Veranstaltungsräume und der Technik). Das BAYOUMA-HAUS steht dadurch seinen Besuchern täglich von 9-16 Uhr und nach Vereinbarung offen, sonst je nach Veranstaltungen.

Unsere Mitarbeiter sind das ganze Jahr über auf zahlreichen Informationsständen zu finden, um dort Lobby- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Sie engagieren sich auch in den verschiedensten Gremien des Bezirkes wie Beirat für Integration und Migration Friedrichshain-Kreuzberg, Gesunde Städte-Netzwerk, Arbeitskreis Migration, Integration und Gesundheit sowie weitere Arbeitsgruppen.

Der Modellcharakter des Hauses hatte im Jahre 2001 zur Folge, dass wir in die Projektdatenbank des "Deutschen Instituts für Urbanistik" zum Bund-Länder-Programm "Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf – die soziale Stadt" aufgenommen wurden. Auf mehreren bundesweiten Tagungen sind einzelne Projekte des Hauses als "Modell of good practice" auserwählt.

Im Januar 2002 hatte Bundespräsident Johannes Rau gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung Gruppen, Verbände, Vereine, Organisationen und Netzwerke aufgerufen, ihre Projekte erfolgreicher Integration vorzustellen. Mehr als 1300 Initiativen aus ganz Deutschland haben sich am „Wettbewerb zur Integration von Zuwanderern“ beteiligt. Zur Preisverleihung wurden am 22. August im Schloss Bellevue zehn Preisträger sowie 200 Projekte und Initiativen eingeladen, die eine Anerkennung für ihr Engagement erhielten. Unser Bayouma-Haus zählte zum Gästekreis, deren Arbeit mit einer Urkunde ausgezeichnet wurde.

Wir waren im Jahr 2004 Wettbewerbsgewinner der Aktion "Kinderunfälle vermeiden – besondere Lebenslagen berücksichtigen" der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder e.V." Unsere Merkblätter zu dem Thema in insgesamt zehn Sprachen werden im Internet und als Faltblatt im Hause häufig nachgefragt.

Das Projekt "Nachbarn öffnen ihre Türen" wurde im Januar 2008 Landessieger für Berlin beim bundesweiten Integrationswettbewerb der Stiftung "Bürger für Bürger". Die Auszeichnung wurde am 11.03.08 im roten Rathaus vergeben.